Die Ionenaktivität als Maß für die wirksame Konzentration eines Ions ist in der klinischen Chemie eine Messgröße, die wichtige Informationen über den Zustand eines Patienten gibt. Die genaue und zuverlässige Messung der Ionenaktivität ist daher von besonderem Interesse.
| Poster: Comparability and Reliability of Ion Activity Measurement Results | |||
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Primärmessplatz
Ionenaktivität
Die Ionenaktivität stellt die effektive Konzentration eines entsprechenden Ions dar. Sie berücksichtigt die Abweichung des idealen Verhaltens der Ionen aufgrund von Wechselwirkungen untereinander. Der mathematische Zusammenhang zwischen der Aktivität ai und der Konzentration ci einer Ionensorte i ist:
γi ist der dimensionslose Aktivitätskoeffizient, eine für jede Ionensorte und Konzentration charakteristische Größe.
So genannte ionenselektive Elektroden (ISE) können die Ionenaktivität direkt messen. Das Prinzip einer solchen Messung veranschaulicht die folgende Abbildung:
Die ionenselektive Membran spricht auf die Aktivität einer bestimmten Ionensorte an, wodurch es zur Ausbildung einer Potentialdifferenz relativ zur Referenzelektrode kommt. Diese Potentialdifferenz wird erfasst. Durch vorherige Kalibrierung der Messanordnung mit Lösungen bekannter Ionenaktivität kann anschließend die Ionenaktivität jeder anderen wässrigen Lösung ermittelt werden.
Ein Ziel des EMRP-Projektes T2J10 an der PTB war es, die Aktivität des freien Anteils von medizinisch relevanten ein- und zweiwertigen Ionen wie Na+, K+, Ca2+, Mg2+ und Cl- mit Hilfe ionenselektiver Messungen zu bestimmen. Die Bestimmung erfolgt durch ionenselektive Messungen in einer Durchflusszelle.
Zur Kalibrierung der ionenselektiven Messanordnung dienen Lösungen von Referenzmaterialien, deren exakter Reinheitsgrad und Ionengehalt zuvor mit Hilfe verschiedener Charakterisierungsmethoden bestimmt wurde. Bei diesen Methoden handelt es sich um Primärmethoden bzw. es wurden Standards verwendet, die auf das SI-System rückgeführt sind.
Das Teilprojekt WP3 (Metrological aspects of activity measurements of essential ionic species) des EMRP-Projektes T2J10 (Traceable measurement of ion biospecies and ion activity in clinical chemistry „TRACEBIOACTIVITY“) zielt auf die verbesserte Zuverlässigkeit von ISE-Messergebnissen ionischer Spezies sowie die Quantifizierung von Protein- und Komplex-gebundenen Magnesium- und Calciumspezies ab. Das Hauptziel ist die Aufstellung einer Skala für die chemische Aktivität von klinisch relevanten Ionen, welche konsistent mit der bereits bestehenden und akzeptierten pH-Skala ist.
Das Projekt beinhaltete eine internationale Vergleichsstudie (Euramet 1165 zur Messung von Ionenaktivitäten mit ISE. Ziel der Vergleichsstudie war es, die Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit der Ergebnisse, welche mit verschiedenen ISE-Messprozeduren erhalten wurden, zu beweisen. Zu diesem Zweck wurden sowohl am METAS als auch an der PTB neue ISE- Miniatur-Durchflussmesszellen entwickelt.
Die Ergebnisse des Projektes erlauben zukünftig die Rückführung der ISE-Messergebnisse für klinisch relevante Ionen auf einer international anerkannten metrologischen Basis.
| [1] | S. Wunderli, H. Andres, Metrological Aspects of Activity Measurements in Mixed Electrolytes by Ion-Selective Electrodes, Electroanalysis 20, 2008, No. 3, 324–330 |
| [2] | D. Berdat, H. Andres, S. Wunderli, Development of Suitable ISE Measurement Procedures for SI-Traceable Chemical Activity Determination, CHIMIA 63, 2009, No. 10, 670-677 |
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