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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

FachabteilungenAbt. 2 Elektrizität 2.5 Halbleiterphysik und Magnetismus2.54 Terahertz-Optik > Rein optisch erzeugte Strompulse
Rein optisch erzeugte Strompulse
Arbeitsgruppe 2.54

Für die Charakterisierung von Höchstfrequenzkomponenten ist es wünschenswert, ultrakurze Strompulse zu erzeugen, deren zeitliche Form man beliebig variieren kann. Bisherige Methoden zur Generation von wenigen 100 fs langen Strompulsen basieren auf einer Mischung von elektronischen und optischen Verfahren und lassen diese Möglichkeit nicht zu. In der Arbeitsgruppe Terahertz-Optik werden Verfahren untersucht, mit denen es möglich ist, ultrakurze Strompulse mit rein optischen Methoden zu erzeugen. Mit diesem Verfahren ist eine Variation der Form dieser Strompulse prinzipiell möglich.

Zur Erzeugung der rein optisch generierten Ströme wurden spezielle Halbleiternanostrukturen in der PTB hergestellt und unter Beachtung bestimmter Symmetriebedingungen mit kurzen optischen Pulsen angeregt. Durch Ausnutzung nichtlinearer optischer Prozesse entsteht dabei ein Stromfluss im Halbleiter. Hierbei werden die Ladungsträger - anders als bei einem normalen Stromfluss - nicht in einem vorhandenen elektrischen Feld beschleunigt.

Nachgewiesen werden die Ströme über die gleichzeitig auftretende elektromagnetische Strahlung: Die Ströme erzeugen eine Polarisationsänderung, die als Quelle für in den freien Raum abgestrahlte elektromagnetische Wellen wirkt. Durch den kurzen optischen Anregungspuls sind die Strompulse und damit auch die abgestrahlten elektromagnetischen Pulse nur wenigen 100 fs lang. Solche kurzen Pulse beinhalten Frequenzkomponenten von mehreren Terahertz, weshalb standardmäßig von THz-Pulsen gesprochen wird. Mittels elektro-optischer Methoden werden die in den freien Raum abgestrahlten THz-Pulse messtechnisch charakterisiert. 

Ein Teil des experimentellen Aufbaus. Die Propagationswege der Laserimpulse bzw. der THz-Pulse (rote und blaue Linien) sowie ein typischer Zeitverlauf eines THz-Pulses sind farbig markiert.

Erst vor kurzem ist es der Arbeitsgruppe Terahertz-Optik gelungen, durch rein-optische Anregung von gebundenen Elektron-Loch Paaren, sogenannten Exzitonen, Strompulse zu erzeugen. Das interessante an diesem Verfahren ist, dass ein Exziton ein neutrales Teilchen ist, und die Bewegung eines Exzitons als ganzes, keinen Stromfluss hervorrufen kann. Die beobachteten Strompulse werden daher auf eine kohärente Polarisation des Exzitons während der Anregung zurückgeführt. Ferner konnte in mehreren Versuchen nachgewiesen werden, dass die Richtung der erzeugten Strompulse von der Photonenenergie der optischen Anregungspulse abhängt. Dieser Effekt ist auf die Auswahlregeln für Interbandübergänge in Halbleitern zurückzuführen.

Weitere Informationen bei Mark Bieler.


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17, Hans Harcken Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF