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Physikalisch-Technische Bundesanstalt

FachabteilungenAbt. 2 Elektrizität > Josephson Effects and Josephson Voltage Standards
Josephson-Effekte und Josephson-Spannungsnormal
Abteilung 2
Im Jahre 1962 sagte der damals 22jährige britische Student Brian D. Josephson zwei Effekte voraus, die kurz darauf experimentell bestätigt werden konnten. Auf einem dieser Effekte basiert das moderne Josephson-Spannungsnormal.



Die Josephson-Effekte treten auf, wenn zwei Supraleiter schwach gekoppelt sind, indem sie z.B. durch eine isolierende Schicht von wenigen Nanometern getrennt sind. Wird auf ein derartiges Josephson-Element eine Mikrowelle (eine elektro-magnetische Schwingung) eingestrahlt, werden zwischen den beiden Supraleitern diskrete Spannungswerte erzeugt, die nur von dem Quotienten zweier Naturkonstanten und der Frequenz f der Mikrowelle abhängen. In der Kennlinie treten diese Stufen konstanter Spannung U n bei folgenden Werten auf:


Dabei bedeuten n = 1, 2, 3, ... die Ordnung der Stufe, h das Plancksche Wirkungsquantum und e die Elementarladung. Aus historischen Gründen wird heute nicht h /2 e sondern der Kehrwert Josephson-Konstante K J genannt.

Bei einer typischen Mikrowellenfrequenz um 70 GHz beträgt der Abstand benachbarter Stufen etwa 150 µV.

Mit dem Josephson-Effekt können Spannungen mit relativen Unsicherheiten von weniger als einem Zehn-Millardstel (1 : 10 10, entsprechend 1 nV bei 10 V) reproduziert werden. Der Effekt wird deshalb weltweit als Basis für konstante Referenzspannungen in metrologischen Staatsinstituten und in Kalibrierlaboratorien der Industrie genutzt. Da die Josephson-Konstante nicht mit der dafür notwendigen Genauigkeit bekannt ist, wird für diesen Zweck überall ein gleicher, vereinbarter Wert genutzt, der mit K J-90 bezeichnet wird:

K J-90 = 483 597,9 GHz/V

Im Reinraumzentrum der PTB werden Schaltungen hergestellt, auf denen bis zu einigen zehntausend dieser Josephson-Elemente zusammengeschaltet sind, so daß sich Spannungen bis zu 10 V erzeugen lassen. Diese Schaltungen sind zentrale Komponenten moderner Josephson-Spannungsnormale.

Für seine Entdeckung wurde Josephson 1973 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Originalarbeit von B.D. Josephson

B.D. Josephson, "Possible new effects in superconductive tunnelling", Phys. Lett. 1 (1962) 251-253.

Weiterführende Arbeiten zum Josephson-Spannungsnormal

J. Niemeyer, "Josephson voltage standards", in: Handbook of Applied Superconductivity, B. Seeber (Ed.), Institute of Physics Publishing, Bristol (1998) 1813-1834.

J. Niemeyer, "Das Josephsonspannungsnormal - Entwicklung zum Quantenvoltmeter", PTB-Mitteilungen 110 (2000) 169-177.

C.A. Hamilton, "Josephson voltage standards", Rev. Sci. Instrum., 71 (2000) 3611-3623.

R. Behr, F. Müller und J. Kohlmann, "Josephson junction arrays for voltage standards", in "Studies of Josephson junction arrays", Vol. 2, (Studies of high temperature superconductors: 40), A.V. Narlikar (Ed.), Nova Science Publ.: Huntington, NY (2002) 155-184.

J. Kohlmann, R. Behr und T. Funck, "Josephson voltage standards", Meas. Sci. Techn. 14 (2003) 1216-1228.

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© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-11-17,  Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF