Metrology for monitoring infectious diseases, antimicrobial resistance, and harmful micro-organisms
Jährlich fallen etwa 20 % der Weltbevölkerung Infektionskrankheiten zum Opfer. Ein Viertel aller Erkrankungen pro Jahr entfällt auf Infektionskrankheiten, wobei Atemwegsinfektionen wie Lungenentzündung, Grippe und Tuberculose 50 % aller Krankheitserreger-bedingten Todesfälle ausmachen. Laut Weltbank aus dem Jahr 2008 könnte eine Grippe-Pandemie 70 Mio. Todesopfer fordern und Kosten in Höhe von 800 Mrd. Euro sowie einen Abfall des globalen Bruttoinlandsproduktes von 5 % verursachen. Um den Gesunheitsschutz der Bevölkerung sicherzustellen, müssen genaue und schnelle Diagnoseverfahren ebenso bereitstehen wie Methoden zur Überwachung der Übertragung und Ausbreitung von Krankheiten und der Resistenz gegen therapeutische Wirkstoffe. Statt der derzeit gängigen mikrobiologische Verfahren könnten zukünftig biomolekulare Methoden zum Einsatz kommen, da sie das Potential haben, schneller, genauer und empfindlicher notwendige Informationen zu liefern. Der Markt für Infektionsdiagnostik mit einem Schwerpunkt auf molekularen Diagnoseverfahren ist einer der am stärksten wachsenden Bereiche der in-Vitro-Diagnostik-Branche. Für das Jahr 2013 wird ein Marktwert der in-Vitro-Diagnostik-Industrie von 38 Mrd. € erwartet.
Die für die neuen biomolekularen Verfahren erforderliche metrologische Infrastruktur einschließlich klinischer Referenzmaterialien existiert bislang allerdings noch nicht, was sich unmittelbar auf die Qualität, Vergleichbarkeit und Rückführbarkeit der Messungen auswirkt. Krankheitserreger kommen häufig nur in geringen Mengen in klinischen Proben vor und viele chronische Erkrankungen sind mit polymikrobiellem Befall verbunden. Beides sind Faktoren, die den Nachweis und die Messung erschweren. Ohne ein metrologisches Fundament können weder Gesundheitsdienstleister noch die Diagnostikindustrie die Verlässlichkeit ihrer molekularbiologischen Tests nachweisen. Dies ist aber die Voraussetzung für deren Einführung in medizinischen Einrichtungen. Im Projekt werden die hierfür benötigten genauen und rückgeführten Messverfahren und Validierungsrahmen, ebenso wie eine umfassende Unsicherheitsabschätzung entwickelt werden. Ein Schwerpunkt der Arbeiten wird auf Atemwegsinfektionen liegen. Die Projektergebnisse werden die Basis für nachfolgende Standardisierungsinitiativen bilden (z. B. ISO TC212, IFCC Molecular Standards WG, JCTLM, CLSI und CCQM .
Die PTB leitet im Projekt das Arbeitspaket, in dem die Leistungseigenschaften beurteilt und der metrologische Bedarf ermittelt werden, die erforderlich sind, um neue Instrumente, Assays und Ausrüstungen für die schnelle und patientennahe Detektion von Krankheitserregern zu charakterisieren und zu validieren.
Weitere Informationen über das Projekt und die Projektpartner:
Ansprechpartner
Dr. Jörg Neukammer
Telefon: 030 3481 7241
E-Mail: joerg.neukammer@ptb.de
Druckansicht,