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Metrologie für die molekulare Strahlentherapie

Metrology for molecular radiotherapy

Im Jahr 2008 gingen laut WHO 13 % aller Todesfälle auf Krebserkrankungen zurück. Über den Zeitraum der nächsten 20 Jahre wird mit einem Anstieg auf 50 % der krebsbedingten Todesfälle gerechnet. In der Krebsbehandlung wird vielfach angestrebt, unkontrolliert wachsen Zellansammlungen gezielt zu zerstören. Hierbei werden auch gesunde Zellen geschädigt. Daher sind in den letzten Jahren zielgerichtete Therapien wie die molekulare Strahlentherapie verstärkt in den Blickpunkt des Interesses gerückt, bei denen Krebszellen durch die Verabreichung einer tödlichen Strahlendosis abgetötet werden. Die Strahlung wird über einen "Träger" transportiert, der sich selektiv an Tumorzellen hängt oder im Wirtsgewebe lokalisiert. Damit wird es möglich, lokal hohe Strahlendosen zu verabreichen bei einer geringen Schädigung des Nachbargewebes.

Die molekulare Strahlentherapie wird seit geraumer Zeit erfolgreich in der Behandlung von gut- und bösartigen Tumoren eingesetzt. Von Beginn an wurde die verabreichte Aktivität des radioaktiven Materials einzig danach ausgerichtet, welches Gewebe zu behandeln war. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Wirkung einer festen verabreichten Aktivität und damit die therapeutische Strahlendosis auf das Gewebe zwischen verschiedenen Menschen stark schwankt. In Forschungslabors konnte die individuelle Wirkung der Strahlendosis auf gesundes und erkranktes Gewebe ermittelt werden. Eine routinemäßige Anwendung im Klinikbetrieb scheitert bisher daran, dass die erforderlichen Methoden komplex sind, und es keine standardisierten Vorgehensweisen gibt.

Die Weiterentwicklung wie auch die Neuentwicklung radioaktiver Arzneimittel wird dadurch behindert, dass die Wirkung der verabreichten Aktivitäten im einzelnen Patienten derzeit nicht ausreichend bestimmt werden kann. Der Behandlungserfolg hängt aber stark davon ab, welche Gesamtdosis vom zu behandelnden Gewebe aufgenommen wird. Im Projekt wird die hierfür benötigte metrologische Basis entwickelt werden. Alle drei Schlüsselkomponenten der Dosimetrie: die Aktivitätsmessung, die quantitative bildgebende Messung der Aufnahme des radioaktiven Materials und die Bestimmung der Energiedosis werden im Projekt bearbeitet werden. Am Ende des Projektes werden Empfehlungen für die klinische Praxis zu Methoden sowie Prüf- und Kalibrierverfahren gegeben werden können. Damit werden alle metrologischen Voraussetzungen für eine individuell zugeschnittene molekulare Strahlentherapie geschaffen sein.

Die PTB arbeitet in dem fachlichen Arbeitspaket mit, das sich mit der Messung der Energiedosis von Radionukliden befasst.

Weitere Informationen über das Projekt und die Projektpartner:

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Ansprechpartner

Dr.  Ulrich Giesen
Tel.: 0531 592 6410
E-Mail: ulrich.giesen@ptb.de

 

 

© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2012-03-23,  Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF