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Das metrische System
Das "Ur-Meter" ist heute ein Museumsstück. Doch der Stab aus einer Platin- Iridium- Legierung repräsentiert den Beginn des international erfolgreichen metrischen Systems.

Das "Ur-Meter" ist heute ein Museumsstück. Doch der Stab aus einer Platin- Iridium- Legierung repräsentiert den Beginn des international erfolgreichen metrischen Systems.

Auch heute noch kann man auf dem Wochenmarkt ein Pfund Spargel oder Kartoffeln bekommen – obwohl es seit rund 30 Jahren "ein halbes Kilogramm" heißen muss. Doch in den meisten Bereichen des Alltags haben sich das SI und mit ihm das metrische System längst durchgesetzt.

Es begann vor über 200 Jahren: "Jedes deutsche Ländchen hat sein eigen Quäntchen" – das war bis dato normal, nicht nur in Deutschland. Das chaotische Durcheinander der Maßeinheiten fand zuerst in Frankreich sein Ende: Zur Zeit der Französischen Revolution wurde das Meter (nach dem griechischen Wort metron für Maß) eine neue, bald in ganz Frankreich verbindliche Längeneinheit.

Und dieses neue Maß mit seiner dezimalen (metrischen) Unterteilung setzte sich nach und nach auch in den Nachbarländern durch. 1870 war es im Deutschen Reich angekommen. Zum weltweiten Siegeszug setzte das metrische System erst mit der Meterkonvention von 1875 an. In diesem diplomatischen Vertrag verkündeten die führenden Industrienationen der damaligen Zeit, von nun an das metrische System verwenden zu wollen.

Dazu schufen sie verschiedene Organe: das Internationale Komitee für Maß und Gewicht (CIPM) und die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM), die vor allem wissenschaftliche Untersuchungen durchführen und Empfehlungen aussprechen, und das Internationale Büro für Maß und Gewicht (BIPM) bei Paris, das zur zentralen Hüterin der Einheiten erklärt wurde. Hier liegt heute noch der Internationale Kilogramm-Prototyp. Das Kilogramm ist die einzige Einheit, die bis heute auf eine Maßverkörperung zurückgeht.

Die Meterkonvention war ein Paukenschlag: Von nun an konnte nicht mehr jeder einzelne Herrscher freimütig seine eigenen Maße bestimmen, sondern der Staat war zuständig und musste sich mit anderen Staaten absprechen. Ohne diese Maßnahme wäre die weitere Entwicklung der industrialisierten Welt schlechthin unmöglich gewesen.

Außerdem war nun der Grundstein gelegt für die Entwicklung eines Internationalen Einheitensystems, das nach dem metrischen System funktioniert: 1960 wurde es unter dem Namen "Système International d' Unités" (SI) aus der Taufe gehoben. Fast alle Staaten der Welt verwenden es heute. Das System beruht auf sieben Basiseinheiten, aus denen sich alle anderen Einheiten nur über Multiplikation oder Division, also ohne Umrechnungsfaktoren ableiten lassen. Seine einfache Struktur hat es über sein ursprüngliches Ziel hinaus bekannt gemacht: Zunächst nur für Wissenschaft, Technik und Unterricht gedacht, setzte es sich weitgehend auch im Wirtschafts-Alltag durch – bis auf den einen oder anderen Wochenmarkt-Einkauf.


© Physikalisch-Technische Bundesanstalt, letzte Änderung: 2011-01-20, WEB-Redaktion Seite drucken DruckansichtPDF-Export PDF